Die petrographische Untersuchung ist sozusagen die DNA oder der Fingerabdruck eines Natursteins. In diesem Teil unserer INFO-Reihe zu Natursteinprüfungen zeigen wir, wie dieses Prüfverfahren abläuft und welche Informationen es über den Stein liefert.
Für die fachgerechte Beschreibung, Prüfung und Klassifizierung von Naturstein gelten in Europa die Normen DIN EN 12407:2019-12 und DIN EN 12670:2019-12. Diese beiden Normen ergänzen sich ideal und schaffen eine einheitliche Grundlage für Qualität, Transparenz und Vergleichbarkeit in der Natursteinbranche.
Die DIN EN 12407 beschreibt das Verfahren zur petrographischen Untersuchung von Naturstein (ausgenommen Dachschiefer). Dabei wird das Gestein sowohl makroskopisch (mit bloßem Auge) als auch mikroskopisch untersucht.
Bei dieser Untersuchung wird eine Probe als Dünnschliff unter dem Polarisationsmikroskop analysiert. Ein Dünnschliff besteht aus einer etwa 20 bis 30 µm dünnen, sorgfältig polierten Gesteinsscheibe, die mit Kunstharz auf einem Objektträger befestigt wird. Das polarisierte Licht durchleuchtet den Naturstein und macht es möglich, die einzelnen Minerale anhand ihrer optischen Eigenschaften unterscheiden lassen. Unter einfach polarisiertem Licht lassen sich insbesondere Farbe, Transparenz und Spaltbarkeit erkennen. Bei gekreuzten Polarisatoren treten zusätzlich charakteristische Interferenzfarben und Zwillingsstrukturen hervor. Durch die Kombination dieser Beobachtungen können die vorhandenen Minerale identifiziert und der Gesteinstyp präzise bestimmt werden.
Aus diesen Beobachtungen ergibt sich die Klassifikation des Gesteins. Die ermittelten Minerale und ihre Mengenanteile werden bewertet und den Hauptgruppen magmatisch, sedimentär oder metamorph zugeordnet. Dadurch lässt sich das Gestein eindeutig benennen und wissenschaftlich korrekt beschreiben.
Granit unter dem Polarisationsmikroskop
Für Gesteine, die undurchsichtige (opake) Minerale enthalten, beispielsweise Erze, Sulfide oder metallische Einschlüsse, werden polierte Dünnschliffe verwendet. Diese ermöglichen die Untersuchung im reflektierten Licht, wodurch auch undurchsichtige Bestandteile eindeutig erkannt werden können.
Oft werden polierte und herkömmliche Dünnschliffe kombiniert, um ein vollständiges Bild des Gesteinsaufbaus zu erhalten.
Die Norm legt u. a. Folgendes fest:
Zur ergänzenden Klassifizierung von Vulkaniten (z. B. im TAS-Diagramm) werden auch Röntgenfluoreszenzanalysen (RFA) eingesetzt.
Die DIN EN 12670 definiert die einheitliche Terminologie und Klassifizierung von Natursteinen in Europa.
Sie legt fest, wie Gesteine wissenschaftlich korrekt benannt und beschrieben werden – unabhängig von regionalen Handelsnamen oder traditionellen Bezeichnungen.
Natursteine werden gemäß dieser Norm in drei Hauptgruppen unterteilt:
Darüber hinaus regelt die DIN EN 12670, welche Merkmale in der technischen Beschreibung und im Handel angegeben werden müssen.
Dies erleichtert die Kommunikation zwischen Herstellern, Händlern, Planern und Kunden und schafft Klarheit in allen Projektphasen – von der Auswahl bis zur Ausführung.
Die Verbindlichkeit ergibt sich über das Baurecht und die CE-Kennzeichnung (Bauproduktenverordnung).
Im Bereich Naturstein ergibt sich die Anwendung dieser Normen oft indirekt aus der EU-Bauproduktenverordnung (EU) Nr. 305/2011 und der Harmonisierung von Produktnormen, insbesondere:
Diese Produktnormen verweisen explizit auf DIN EN 12407 und DIN EN 12670 für die petrographische Bestimmung und Klassifizierung des verwendeten Natursteins.
Das heißt: Wenn ein Produkt nach einer dieser harmonisierten EN-Normen geprüft oder CE-gekennzeichnet wird, müssen die petrographische Prüfung nach DIN EN 12407 und die Terminologie nach DIN EN 12670 erfolgen.
Sollten Sie weitere Fragen haben oder individuell auf Ihr Projekt bezogene Auskünfte wünschen, kontaktieren Sie uns gern jederzeit über unser Kontaktformular oder senden Sie uns eine Nachricht an mail@besco-gmbh.de. Wir melden uns umgehend bei Ihnen.
Weitere spannende Inhalte erwarten Sie in kommenden Beiträgen der INFO-Reihe Naturstein-Prüfungen.
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