Barrierefreiheit im Außenraum bedeutet vor allem eines: Wege müssen leicht, sicher und ohne unnötige Hindernisse nutzbar sein. Das betrifft Rollstühle genauso wie Kinderwagen, Fahrräder, Skateboards oder das Gehen im Alter. Entscheidend sind eine ruhige Oberfläche, ein präzises Fugenbild und eine Gestaltung, die Bewegung intuitiv unterstützt. Als Teil unserer Fachserie zum Thema Barrierefreiheit beleuchten wir in diesem Beitrag die technischen Stellschrauben, mit denen Planer die Gang und Wegbarkeit von Natursteinflächen gezielt gestalten können.
Bereits die Verlegerichtung eines Pflasterverbands kann entscheidend dafür sein, wie komfortabel sich ein öffentlicher Raum mit Mobilitätshilfe, Kinderwagen oder anderen rollenden Fortbewegungsmitteln nutzen lässt. Wird Natursteinpflaster in Bewegungsrichtung verlegt, verbessert sich der Rollkomfort deutlich. Gleichzeitig werden Stöße beim Überfahren der Fugen spürbar reduziert.
Dass hohe Anforderungen an Gang- und Wegbarkeit längst fester Bestandteil moderner Stadtplanung sind, zeigen die DIN 18040-3 und das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB). Während die DIN-Norm die technische Basis für erschütterungsarme, witterungsstabile Bewegungsflächen und taktile Orientierungssysteme liefert, verankert das BNB die barrierefreie Erschließung als festes Kriterium für die soziokulturelle Qualität nachhaltiger Außenanlagen.
Ob eine Natursteinfläche ruhig und sicher genutzt werden kann, hängt vor allem von ihrer Konstruktion ab. Jede Fuge unterbricht den Bewegungsablauf und führt zu kleinen Erschütterungen, die die sichere und komfortable Nutzung beeinträchtigen. Großformatige Natursteinplatten reduzieren die Anzahl dieser Übergänge deutlich und sorgen für gleichmäßigere Bewegungsflächen.
Doch auch kleinere Formate lassen sich heute deutlich präziser ausführen als klassisches Kopfsteinpflaster früherer Jahrzehnte. Allseits gesägte Steine ermöglichen exakte Kanten und schmale Fugenbilder, wodurch homogenere Oberflächen mit geringerem Rollwiderstand entstehen.
Neben dem Fugenbild spielt auch die Oberflächenbearbeitung eine zentrale Rolle. Präzise bearbeitete Oberseiten ermöglichen gleichmäßige Oberflächen. Verfahren wie Flammen oder Strahlen erzeugen feine Oberflächenstrukturen, die Trittsicherheit und Rutschfestigkeit verbessern, ohne den Bewegungskomfort einzuschränken.
Durch den gezielten Einsatz großformatiger Natursteinplatten lässt sich die Anzahl der Belagsübergänge deutlich reduzieren, wodurch spürbar gleichmäßigere Bewegungsflächen entstehen.
Im Zuge der Neugestaltung der Außenanlagen des Fritz-Förster-Bau der Technischen Universität Dresden nach Plänen von Rehwaldt Landschaftsarchitekten kamen großformatige Bodenplatten, Blockstufen und Pflasterflächen aus belgrano® Naturstein von BESCO zum Einsatz. Die gezielte Kombination von Granit, Basalt und Gabbro fügt sich harmonisch in den denkmalgeschützten Campus ein und verbessert zugleich die barrierefreie Nutzbarkeit der Wege und Plätze durch ruhige, gut begeh und befahrbare Oberflächen.

Barrierefreie Außenanlagen durch großformatige belgrano® Natursteinplatten. Referenzprojekte: Fritz-Förster-Bau in Dresden und Schmöllnsche Vorstadt in Altenburg
Dass dieser Ansatz auch im klassischen Straßenraum funktioniert, zeigt die Neugestaltung der Schmöllnschen Vorstadt in Altenburg. Hier sorgen großformatige Platten aus belgrano® Naturstein für gut begehbare Gehwege und schaffen zugleich eine barrierearme Führung innerhalb der historischen Struktur.
Natursteinplatten im Kleinformat ermöglichen durch präzise, allseits gesägte Kanten ein gleichmäßiges Fugenbild und verbessern die Laufruhe im Vergleich zu traditionellem Pflaster erheblich. Sie eignen sich somit hervorragend für urbane Räume mit hoher Passantenfrequenz.
Ein prägnantes Beispiel hierfür findet sich im Berliner Ortsteil Berlin-Mitte. Mit AM TACHELES entstand ein neues Stadtquartier, dessen Freiraumkonzept von Vogt Landscape Architects das Areal über Plätze, Höfe und Passagen zu einem klar lesbaren Stadtraum strukturiert. Für die Beläge kam belgrano® Naturstein von BESCO zum Einsatz, insbesondere Kleinformate aus Basalt und Granit. Innerhalb der Pflasterflächen schaffen mittig geführte Natursteinbänder erschütterungsarme Bewegungszonen und verbessern den Nutzungskomfort für Menschen mit Mobilitätshilfe, Kinderwagen oder auch dem Skateboard.

Barrierefreie Außenanlagen durch kleinformatige belgrano® Natursteinplatten. Referenzprojekte: Meiller Gärten in München und Am Tacheles in Berlin
Ein vergleichbarer Ansatz wurde auch in den Meiller Gärten in München umgesetzt. Innerhalb der weitläufigen Fußgängerbereiche schaffen präzise verlegte, kleinformatige belgrano® Natursteinplatten bandartige Bewegungszonen mit einem gleichmäßigen Fugenbild.
Diese Option verbindet die gestalterische Wirkung historischer Stadtbilder mit den heutigen Anforderungen an Barrierefreiheit und Nutzungskomfort. Selbst kleinformatiges Pflaster lässt sich technisch so weiterentwickeln, dass Aspekte des Denkmalschutzes gewahrt bleiben. Während klassisch gespaltenes Pflaster konstruktionsbedingt unregelmäßige Oberflächen aufweist, ermöglichen gesägte Oberseiten spürbar ebenere Bewegungsflächen. Auf diese Weise lassen sich die Fugenübergänge flacher ausführen, wodurch Erschütterungen beim Überfahren reduziert werden.
Die gelungene Verbindung aus historischer Identität und zeitgemäßem Nutzungskomfort zeigt sich bei der Sanierung des Viehmarks in Römhild. Durch den gezielten Einsatz von belgrano® Kleinsteinpflaster mit gesägten Oberseiten bleibt der ländlich-historische Charakter des Ortes gewahrt, während die Verkehrsfläche sicher und komfortabel passierbar wird.

belgrano® Kleinsteinpflaster mit gesägter und bearbeiteter Oberseite. Referenzprojekte: Viemarkt in Röhmhild und Stadtpark Kempten
Im Stadtpark Kempten zeigt sich die Qualität dieser Bauweise im Kontext moderner Grünraumgestaltung. Gesägtes belgrano® Kleinsteinpflaster und taktile Bodenindikatoren greifen hier ineinander und bilden eine durchgängige Leitstruktur, die Barrierefreiheit und ein ruhiges, geschlossenes Belagsbild miteinander verbindet.
Im Gegensatz zu traditionell gespaltenen Steinen werden hier alle sechs Seiten des Pflasters maschinell gesägt. Durch diese exakte Maßhaltigkeit rücken die Steine eng aneinander, wodurch minimale Fugenbreiten von wenigen Millimetern erzielt werden. Das Ergebnis ist eine nahezu geschlossene Oberfläche, die den Rollwiderstand auf ein Minimum reduziert und gleichzeitig verhindert, dass sich Kanten unter Last absplittern.
In der Praxis bewährt sich diese höchste Stufe der Verkehrsflächenpräzision bei der barrierefreien Umgestaltung des historischen Altorts in Veitshöchheim, geplant durch das Büro Holl Wieden Partnerschaft. Um den vom schweren Bus- und Lieferverkehr stark beanspruchten Ortskern zukunftsfähig zu gestalten, wurden allseits gesägte Pflastersteine aus belgrano® Granit von BESCO in gebundener Bauweise verlegt. Die ebenerdige und fugenarme Ausführung sorgt hierbei für einen Rollkomfort, der den gesamten Ortskern zu einem barrierefreien Lebensraum aufwertet.

belgrano® allseits gesägtes Pflaster mit bearbeiteter Oberseite. Referenzprojekte: Kirchstraße in Veitshöchheim und Weidenbrunner Gasse in Schmalkalden
Dass sich auf diese Weise auch stark beanspruchte, historisch gewachsene Stadträume dauerhaft hochwertig ausführen lassen, demonstriert die Weidebrunner Gasse in Schmalkalden. Das Büro TERRA.NOVA Landschaftsarchitektur entwickelte ein Entwurfskonzept, das Denkmalschutz und modernen Stadtverkehr verbindet. Durch den gezielten Einsatz von allseits gesägtem belgrano® Naturstein von BESCO bleibt das geschichtsträchtige Erscheinungsbild erhalten, während die hohe Maßhaltigkeit der Steine ein ebenes und barrierefreies Flächenbild schafft.
Die Gang- und Wegbarkeit von Natursteinflächen ist selten eine Frage des Materials, sondern der präzisen Verarbeitung. Moderne Natursteinsysteme wie belgrano® von BESCO beweisen, dass hochwertiges Design und Barrierefreiheit kein Widerspruch sind. Richtig geplant und ausgeführt, erfüllen diese Flächen alle funktionalen Anforderungen der DIN 18040-3 und bleiben über Jahrzehnte hinweg wertbeständig.
Im nächsten Teil unserer Fachserie widmen wir uns taktilen Leitsystemen und der Frage, wie sich Orientierung, Sicherheit und Gestaltung im öffentlichen Raum sinnvoll miteinander verbinden lassen.
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