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Projektdatenbank - Winsen an der Luhe | Marktplatz und Fußgängerzone

Winsen an der Luhe | Marktplatz und Fußgängerzone

Architekt

Produkte & Leistungen

Bodenplatten ● Brunnen ● Pflaster

Location

Sandparkplatz am Schlossring / Ecke Hansestraße, 21423 Winsen (Luhe)

Winsens modernes Stadtkontinuum aus Naturstein

Winsen an der Luhe verbindet historische Identität mit moderner Urbanität. Der Entwurf von capattistaubach urbane landschaften verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz: Die Raumfolgen von Rathaus-, Eckermann-, Nordertor-, Markt- und Deichstraße werden nicht mehr als isolierte Abschnitte betrachtet, sondern als stadträumliches Kontinuum.

Das verbindende Element ist ein durchgängiges Stadtbodenkonzept aus Naturstein. Durch eine einheitliche, helle Formensprache werden die ehemals zerstückelten Bereiche miteinander verwoben. Dabei wurde eine intelligente Zonierung gewählt: Während die Formate in den Flanierzonen zum Verweilen einladen, halten sie in den befahrbaren Bereichen selbst schwerem Lieferverkehr mühelos stand.

Das Fischgrät-Muster: Ein „textiler Teppich“ aus Naturstein

Das gestalterische Herzstück ist die optische Verknüpfung der Stadtraumpole durch ein klassisches Fischgrät-Verlegemuster. In der Architektur wird hierbei oft von einem „steinernen Teppich“ gesprochen: Durch das zick-zack-förmige Web-Muster verliert der Boden seine harte Anmutung. Stattdessen entsteht eine strukturierte Fläche, die die historischen Gebäude wie ein edler Bodenbelag zusammenführt.

Diese Wahl war jedoch nicht nur ästhetisch, sondern auch technisch klug: Das Fischgrätmuster gilt als eines der stabilsten Pflasterkonzepte, da sich die Steine durch die diagonale Anordnung gegenseitig stützen und so den Scherkräften von Rettungsfahrzeugen und Marktbeschickern optimal standhalten. Damit dieser „Teppich“ keine optischen Brüche bekommt, lieferte BESCO ein abgestimmtes System: Sogar die Entwässerungsrinnen wurden präzise aus belgrano® Naturstein gefertigt und nahtlos integriert.

Archäologie vs. Bauzeitplan: Wenn das Mittelalter die Baustelle stoppt

Ein Projekt dieser Größe im historischen Kern gleicht oft einer Zeitreise – mit all ihren Tücken. Besonders am Kirchplatz stießen die Beteiligten auf Funde, die jeden Zeitplan sprengten: Mittelalterliche Gebeine und alte Rathausmauern legten die Arbeiten zeitweise lahm. Inmitten dieses archäologischen Ausnahmezustands war maximale Flexibilität gefragt.

Es zeigt die Kompetenz des gesamten Teams, dass die Vision der modernen Innenstadt trotzdem ohne Qualitätsverlust umgesetzt wurde. Während BESCO im Hintergrund die logistische Herkulesaufgabe stemmte, die maßgefertigten Granitplatten exakt auf die durch die Grabungen verschobenen Bauphasen abzustimmen, sorgte die Firma Wiese & Suhr vor Ort für eine handwerklich exzellente Verlegung.

Warum Naturstein und kein Klinker?

Bei der Materialwahl fiel die Entscheidung nach intensiver Prüfung bewusst gegen Klinker und für den hellen belgrano® Naturstein. Der Grund ist so simpel wie überzeugend: Langlebigkeit über Generationen hinweg. Während herkömmliche Beläge oft nach wenigen Jahrzehnten ersetzt werden müssen, ist die neue Winsener Mitte als funktionales Fundament auf eine Lebensdauer von 80 bis 100 Jahren ausgelegt.

Zudem unterstützen die hellen Steine die Klimaanpassungsstrategie der Stadt. Da die hellen Oberflächen einen Großteil der Sonnenstrahlung reflektieren (statt sie wie dunkle Beläge zu absorbieren), heizen sich die Flächen deutlich weniger auf (Albedo-Effekt). Dies verhindert die Entstehung sommerlicher „Hitzeinseln“ und sorgt für ein spürbar kühleres Stadtklima.

Aktive Klimaanpassung: Wasser und Grün gegen Hitze

In Zeiten zunehmender Hitzeperioden setzt Winsen auf eine Strategie, die „blaues“ (Wasser) und „grünes“ (Pflanzen) Design vereint:

  • Das „blaue“ Konzept (Kühlung durch Wasser): BESCO lieferte die Komponenten für zwei markante Wasserspiele: Ein rundes Element mit Nebeleffekt am Rathaus sowie ein Wasserspiel am Kirchplatz mit 29 Fontänen. Diese sorgen für Verdunstungskühle und verbessern das Mikroklima spürbar.

  • Das „grüne“ Konzept (Kühlung durch Schatten): Der Baumbestand wurde signifikant vergrößert. Kombiniert mit Holzdecks aus heimischer Eiche und Lärche entsteht eine hohe Aufenthaltsqualität – ganz ohne Tropenholz.

„Design for all“ – Ein Lebensraum für Generationen

Dass Ästhetik und technische Belastbarkeit Hand in Hand gehen, beweist die finale Umsetzung. Die neue Mitte präsentiert sich heute als lebendiges Rückgrat einer funktionierenden Innenstadt. Getreu dem Leitbild des „Design for all“ entstand ein Raum, der barrierefrei für alle Generationen erlebbar ist.

Was in Winsen geschaffen wurde, ist ein echtes Teamprodukt. Es belegt, wie aus hochwertigen Materialien und einer mutigen Planung ein Ort entsteht, der nicht nur heute überzeugt, sondern als funktionales Fundament für die nächsten 80 bis 100 Jahre Bestand hat.

Fußgängerzonen & Stadtplätze

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